Montagmorgen, 7:30 Uhr: Die Anmeldung funktioniert nicht, gemeinsame Dateien sind nicht erreichbar und die Auftragsbearbeitung steht still. Die IT untersucht einen möglichen Cyberangriff. Aus der Geschäftsführung kommt die Frage: „Wir haben doch ein Backup – wann können wir weiterarbeiten?“
In diesem fiktiven Beispiel liegt die Herausforderung zwischen zwei unterschiedlichen Aufgaben: Daten zu sichern und den Geschäftsbetrieb wiederherzustellen. Eine erfolgreiche Sicherungsmeldung beantwortet noch nicht, wie schnell Anwendungen, Zugänge und Arbeitsabläufe wieder verfügbar sind.
Gesicherte Daten sind noch kein funktionierender Betrieb
Ein Unternehmen benötigt mehr als einzelne Dateien. Anwendungen hängen beispielsweise von Datenbanken, Benutzerkonten, Netzwerken, Zertifikaten und externen Diensten ab. Fehlt eine dieser Voraussetzungen, können zurückgesicherte Daten zunächst unbrauchbar bleiben.
Deshalb gehört zu einer Datensicherung immer die Frage: Was brauchen wir, um mit diesen Daten tatsächlich wieder arbeiten zu können?
Das BSI betrachtet Datensicherungen als zentrale Vorsorgemaßnahme gegen den Verlust der Datenverfügbarkeit bei Ransomware. Entscheidend ist, die Wiederherstellung von Anfang an mitzudenken. Quelle: BSI – Datensicherungskonzept und zentrale Datenhaltung
Zwei Fragen, die die Geschäftsführung beantworten sollte
Wie lange darf ein Geschäftsprozess ausfallen? Und wie viel zwischenzeitlich entstandener Datenbestand darf höchstens verloren gehen?
Für die Auftragsbearbeitung können andere Grenzen gelten als für ein internes Archiv. Die Antworten bestimmen, wie häufig gesichert werden muss und welche Wiederherstellungsmöglichkeiten erforderlich sind.
Diese Ziele sollten Geschäftsführung, Fachbereiche und IT gemeinsam festlegen. Die IT kann anschließend prüfen, ob sie mit den vorhandenen Mitteln erreichbar sind. Eine gewünschte Wiederanlaufzeit ist zunächst eine Anforderung – belastbar wird sie durch einen praktischen Test.
Welche Systeme müssen zuerst zurückkommen?
„Alles gleichzeitig“ ist selten ein hilfreicher Wiederanlaufplan. Sinnvoller ist eine Reihenfolge, die sich an wichtigen Geschäftsprozessen und ihren technischen Abhängigkeiten orientiert.
Wenn die Warenwirtschaft erst nach der Wiederherstellung von Benutzerverwaltung und Datenbank funktioniert, gehören diese Voraussetzungen in den Ablauf. Auch externe Unterstützung muss berücksichtigt werden: Wer kann beim Softwareanbieter helfen? Welche Zugänge und Vertragsinformationen werden dafür benötigt?
Eine kurze, abgestimmte Prioritätenliste erleichtert Entscheidungen unter Zeitdruck. Sie sollte auch festhalten, welche Tätigkeiten vorübergehend mit Ersatzverfahren möglich sind.
Sicherungen brauchen eigenen Schutz
Eine Sicherung ist gefährdet, wenn Angreifer sie mit denselben kompromittierten Zugängen verändern oder löschen können wie die produktiven Daten.
Unternehmen sollten deshalb prüfen, wie Sicherungssysteme und administrative Zugänge getrennt geschützt werden. Je nach Umgebung kommen beispielsweise vom laufenden System getrennte Kopien oder technisch gegen nachträgliche Veränderung geschützte Sicherungsstände infrage.
Auch Aufbewahrungszeiten sind relevant: Wird ein Angriff erst spät entdeckt, muss ein geeigneter älterer Stand verfügbar sein. Verschlüsselung schützt die Vertraulichkeit einer Sicherung, verhindert für sich allein aber nicht deren Löschung.
Der Wiederherstellungstest liefert die entscheidenden Antworten
Ein überschaubarer Test kann mit einer ausgewählten Anwendung beginnen. In einer geeigneten, vom Produktivbetrieb getrennten Umgebung wird geprüft, ob sich die erforderlichen Daten und Einstellungen wiederherstellen lassen.
Dabei zählt nicht nur, ob der technische Vorgang ohne Fehlermeldung endet. Der zuständige Fachbereich sollte bestätigen, dass die Anwendung funktioniert und die Daten vollständig genug für die vorgesehene Arbeit sind.
Dokumentiert werden sollten insbesondere:
- die tatsächlich benötigte Zeit;
- fehlende Zugänge, Informationen oder Komponenten;
- die fachliche Nutzbarkeit der wiederhergestellten Daten;
- notwendige Verbesserungen und die dafür Verantwortlichen.
Nach größeren Änderungen an Anwendungen oder Infrastruktur sollte geprüft werden, ob der bisherige Test noch aussagekräftig ist.
Im Cybervorfall nicht einfach zurückspielen
Vor einer Wiederherstellung muss geklärt werden, welche Systeme und Sicherungsstände vertrauenswürdig sind. Andernfalls könnten Schadsoftware oder unberechtigte Zugänge erhalten bleiben.
Untersuchung, Eindämmung und Wiederanlauf müssen deshalb aufeinander abgestimmt sein. Dazu gehören klare Entscheidungen darüber, wer Systeme wieder freigibt und welche Prüfungen vorher erforderlich sind.
Außerdem beseitigt ein Backup nicht alle Folgen eines Angriffs. Bereits abgeflossene Daten lassen sich durch eine Rücksicherung nicht zurückholen.
Fünf Fragen für Ihren nächsten internen Check
- Wissen wir, welche Geschäftsprozesse zuerst wieder funktionieren müssen?
- Haben wir vertretbare Ausfallzeiten und Datenverluste gemeinsam festgelegt?
- Sind Sicherungen auch bei kompromittierten Administratorzugängen ausreichend geschützt?
- Haben wir die Wiederherstellung einer wichtigen Anwendung praktisch und fachlich geprüft?
- Sind Notfallkontakte und Wiederanlaufanleitungen auch beim Ausfall unserer gewohnten IT verfügbar?
Wer diese Fragen beantworten kann, hat eine belastbarere Grundlage als eine täglich grüne Sicherungsanzeige.
SITsolutions unterstützt Unternehmen dabei, Anforderungen an Informationssicherheit und Notfallvorsorge mit ihren Geschäftsprozessen zu verbinden. Dazu gehören nachvollziehbare Prioritäten, klare Verantwortlichkeiten und überprüfbare Abläufe für den Wiederanlauf.
Stand: 13. Oktober 2026. Das Einstiegsszenario ist fiktiv. Die Empfehlungen dienen der praktischen Orientierung und müssen an die jeweilige IT-Umgebung und die betrieblichen Anforderungen angepasst werden.